ALLE WEGE FÜHREN NACH SANTIAGO

Heute heißt es: Santiago für einen Tag.

Gegen sieben stehe ich auf, schmeiße noch fix eine Maschine Wäsche an, gehe duschen, packe dann die Wäsche in den Trockner und frühstücke noch fix eine Kleinigkeit. Bis ich alle meine sieben Sachen gepackt habe ist es halb neun und ich mache mich auf den Weg in die Stadt.

Mit Sommerkleid und Flipflops mache ich mich auf den Weg die letzten sieben Kilometer zur Kathedrale zu laufen – zunächst finde ich den Camino nicht, ich laufe nach dem GPS meines Handys durch ein Industriegebiet von Santiago de Compostela. Laut Handy solle ich auf dem Standstreifen der Autobahn laufen.. Sorry.. aber.. NEIN DANKE.

Ein Schild mit der Aufschrift „Fußgänger verboten“ bestätigt mir mein Gefühl. Also drehe ich um und frage ich Anwohner, die gerade mit ihrem Hund spazieren gehen – das ist meistens ein Zeichen dafür, dass sie sich in der jeweiligen Stadt auskennen. Nach ein paar Missverständnissen finde ich nach einiger Zeit meinen geliebten gelben Pfeil wieder.

Er löst Sicherheit in mir aus und zeigt mir den richtigen Weg. Heute morgen ist es sehr nebelig ich kann nur einige Meter weit sehen – nachdem ich insgesamt eine Stunde unterwegs bin sehe ich zwei ältere spanische Herren an einer Bushaltestelle warten. Kurzerhand frage ich wann ein Bus in die Innenstadt fährt.. als ich erfahre, dass er in circa fünf Minuten kommen müsse, entscheide ich mich ihn zu nehmen um noch eine Stunde in der Altstadt verbringen zu können.

Am Placa de Galicia steige ich aus und entdecke als erstes einen Schuhladen – das passt sich besonders gut, da ich nämlich nicht vor hatte meine zwei Monate alten Laufschuhe welche mich mehr als sechshundert Kilometer quer durch Nordspanien getragen haben.. die mit den Löchern und einer unangenehmen Duftmarke.. wieder mit nach Hause zu nehmen.

Also werfe ich sie bei der nächsten Gelegenheit in den Müll.

Im Anschluss laufe ich zur Kathedrale, sie ist mal wieder sehr beeindruckend. Ich habe nicht das Bedürfnis hineinzugehen – zum einen habe ich das bereits mehrfach gemacht und zum anderen bin ich nicht in die Stadt eingelaufen und möchte es daher nicht.

Ich kaufe schnell noch ein paar Souvenirs bevor ich meinen Termin im Sagrado Curazon Tattoo Santiago wahrnehme.

Ihr habt richtig gehört – Tattoo – es war mir eine Herzensangelegenheit mich in Santiago de Compostela stechen zu lassen und ich habe fast nicht mehr daran geglaubt. Gestern habe ich telefonisch den Termin gebucht – ich hatte Glück, dass es so spontan noch gepasst hat. Mein Wunschmotiv habe ich ebenfalls zuvor per Mail geschickt um zu klären ob es überhaupt zeitlich möglich ist (da ich Nachmittags im Flieger sitzen muss). Alles hat gepasst und um elf Uhr stehe ich pünktlich vor der Tür. Nachdem alle Vorbereitungen getroffen sind, liege ich eine Stunde später unter der Nadel. Nach einer weiteren Stunde ist das Spektakel auch schon vorbei und dafür, dass es mein erstes Tattoo ist, habe ich mich ziemlich zusammengerissen.

Im Anschluss habe ich noch eine Stunde Zeit welche ich damit verbringe mich noch einmal zu stärken. Ich genieße mein letztes Pilgermenü dieser Reise und runde es mit einem Stück Santiago Cake ab.

Diese Spezialität habe ich bereits vor fünf Jahren lieben gelernt und kaufe einen für Deutschland.

Gegen zwei mache ich mich auf dem Weg zum Bus, fahre gemeinsam mit gefühlt eintausend deutschen Pilgern zum Flughafen. Fix eingecheckt, noch schnell einen Galizischen Gin gekauft und dann startet auch schon das Bording.

Adios Espana!

Es war mir eine Ehre!

Es war wie immer wieder schön bei dir!