WER HAT AN DER UHR GEDREHT?

So schnell kann das gehen, vierundzwanzig wahnsinnig schöne und aufregende Tage als Pilgerin gehen dem Ende zu. Heute bin ich noch einmal in einer Herberge erwacht, habe mir einen Wecker gegen sieben gestellt um den Zug gegen neun auf keinen Fall zu verpassen. Die Bahnhaltestelle soll zwei Kilometer außerhalb sein und ist leider nicht ausgeschildert. Somit mache ich mich nach einem kleinen Frühstück gegen acht auf den Weg in die Dorfbar und frage nach dem Weg.

Ich folge den Angaben des Barmannes und nach einigen Kilometern erblicke ich tatsächlich einen Bahnhof. Damit ihr euch ein kleines Bild darüber machen könnt inwiefern sich hier an Zeitangaben gehalten wird.. ein kleines Beispiel: Im Internet heißt es, dass der besagte Zug um 8:52 fahren soll, der Barmann sagt mir 9:00 und auf dem Plan am Bahnhof steht 09:11 – und wenn ich euch jetzt noch sage, dass er tatsächlich an keiner dieser drei Zeiten sondern um 09:35 losgefahren ist, dann könnt ihr in etwa nachempfinden wie die Uhr hier schlägt. Nämlich langsam. Jeder hat Zeit. Diese Mentalität entschleunigt sehr.. ist nur nervig, wenn man sich sicher sein möchte.

Ich überbrücke meine Wartezeit am Bahnhof mit einem kleinen Sonnengruß mit anschließender Meditation. Als irgendwann der Zug die Straßenbahn kommt und ein anderer Fahrgast den Arm raushält, damit die Bimmelbahn überhaupt anhält denke ich, dass hier die Welt teilweise stehen geblieben ist. Wenn man nicht gerade von A nach B muss, dann tut das äußerst gut!

Angekommen in Luarca laufe ich in die erstbeste Bar und mache eine ausgiebige Frühstückspause. Ich habe meinen Bus nach Santiago de Compostela noch nicht gebucht, da ich mir nicht ganz sicher war ob ich es überhaupt schaffe. Aus diesem Grund habe ich auch noch kein Hostel gebucht.. das war allerdings äußerst unclever – es ist Samstag und an den Wochenenden sind die Großstädte natürlich beliebt. Also muss ich ein Hostel außerhalb des Zentrums buchen.

Nachdem ich alle notwendigen Dinge geklärt habe, will ich die Stadt entdecken. Der Himmel ist bedeckt, aber zum Glück regnet es nicht. Ich lasse die Stadt auf mich wirken – schlendere umher, kaufe Souvenirs und esse etwas.

Ich bekomme die Zeit bis zur Abfahrt meines Busses ganz gut überbrückt – bin dann aber auch zufrieden, als es für mich heißt: Einsteigen bitte! Passend zur Busfahrt regnet es wie aus Eimern.. im Bus schaffe ich es tatsächlich einen Film zu gucken – der erste und wahrscheinlich einzigste der gesamten Reise. Ich unterhalte mich mit meinen Sitznachbarn darüber, dass ich es als schwierig empfunden habe eine Unterkunft gefunden zu haben – als mich die Pilgerinnen ganz verdutzt angucken und mir sagen sie hätten noch keine Unterkunft… ich biete ihnen an in meinem Hostel nachzufragen. Gesagt, getan. Die beiden Frauen haben Glück und erhalten die letzten freien Betten. Wir kommen pünktlich an, nehmen uns ein Taxi zum Hostel und fallen in unsere Betten.