22. San Esteban de Leces – Priesca

Ich habe gut geschlafen, gegen sieben stehe ich auf und starte in den Tag. Ein kleines Frühstück aus Baguette mit Marmelade und Tee soll mich für den heutigen Tag stärken. Gegen acht Uhr laufe ich los, es wird gerade hell draußen.

Nach einer Stunde komme ich zu einem Strand, welcher mich einlädt den Sonnenaufgang hinter dem Berg zu genießen und ruhig in den Tag zu starten. Ich setze meinen Rucksack ab und spaziere ein wenig am Wasser entlang. Um positiv in den Tag zu starten mache ich ein paar Sonnengrüße und setzte mich einen Moment in den Sand und atme tief ein und aus.

Weiter führt der Camino durch kleine Wälder und über Feldwege. Entlang des Atlantiks verläuft ein alternativer Weg der GR (rot/weiß gekennzeichnet) – ich folge den Schildern und genieße nahezu alleine den Sonnenaufgang über dem Atlantik.

In einem kleinen Café am Stand genehmige ich mir ein Eis und laufe mittlerweile in der prallen Sonne. Heute ist keine Wolke am Himmel zu erkennen – das wird anstrengend. Wie blind folge ich zwei Pilgerinnen auf dem Camino, als sie plötzlich stehen bleiben und umdrehen wird mir bewusst, dass ich falsch bin. Als ich mein GPS anstelle sehe ich, dass ich grundsätzlich in die richtige Richtung gehe. Also: einfach weitergehen.. alle Wege führen nach Santiago, oder?

Als ich irgendwann über abgezäunte Felder und durch Maschendrahtzäune klettere bemerke ich wie doof meine Idee war dem Pfad zu folgen… ABER ich habe immer noch meine Ziel vor Augen und gehe einfach weiter. Die Wiesen sind noch voller Morgentau – daher haben meine Schuhe mal wieder Fußbadcharakter.. aber das ist jetzt ja auch egal.

Ich schreibe mir innerlich eine eine Notiz an mich selber: Laufe niemals mehr Menschen hinterher, wenn du dir selber nicht sicher bist, dass es der richtige Weg ist.

Als ich irgendwann dann endlich wieder auf feste Straße komme und nach einigen Metern sogar wieder zurück zum Camino bin ich ein wenig erleichtert. Langsam knurrt mein Magen und ich bin froh, in Colunga angekommen zu sein.

Hier mache ich eine ausgiebige Mittagspause – ich frage Einheimische nach einer Restaurant Empfehlung und folge dieser. Gefühlt ist das gesamte Dorf hier um Mittagspause zu machen. Ich bestelle mir das Menü des Tages und bin tatsächlich positiv von der Qualität ded Essens überrascht. Im Anschluss kaufe ich ein und hole Geld ab, bevor ich mich auf den Weg für die letzten Stunden in der Sonne wage.

Die pralle Mittagshitze meint es böse mit mir, da kein anderer Pilger auf die dumme Idee kommt um diese Uhrzeit noch unterwegs zu sein, kann ich lautstark zu meiner Musik mitsingen und Faxen machen.

Als ich irgendwann wie eine Erscheinung eine wunderschönen Herberge auf der linken Straßenseite entdecke gehe ich hinein und frage ob es noch Platz gibt. Diese Herberge ist so neu, dass sie in meinem Reiseführer nicht aufgeführt ist. Dieser Ort ist das Pilgerparadis auf Erden.

Sie ist die schönste Herberge in der ich je war, alles ganz liebevoll eingerichtet. Eine Küche Equipment und der Möglichkeit für einen fairen Preis Kochzutaten zu kaufen. Bäder auf dem allerneusten Stand (mit Regendusche – geht’s noch??? Hab mich direkt wie zuhause gefühlt!!!). Ein Garten mit Kräutern, Liegestühlen und reichlich Sitzmöglichkeiten. Ein Esszimmer mit Bücherregal, Fernsehen und Musikanlage. Einfach ein absoluter Traum nach diesem Wandertag!

Nachdem ich mich frisch geduscht habe, gehe ich in den Garten um zu entspannen, als mich ein Pilger fragt ob ich Hunger hätte… am liebsten hätte ich gefragt wo er Gedankenlesen gelernt hätte… im Verlauf des Abends erfahre ich, dass er Küchenchef ist – genau so hat das Essen auch geschmeckt. Ich gönne uns ein zwei Flaschen Cidre, der wird hier ganz viel produziert. Wir lassen den Abend mit angeregten Gesprächen ausklingen.

Am Abend fängt es noch an zu Gewittern, der Sonnenuntergang sieht wunderschön aus..