THANK YOU! MUCHAS GRACIAS! DANKE!

Heute möchte ich einfach mal DANKE sagen:

  • DANKE bei euch Lesern dafür, dass ihr meine Reise hier auf meinem neuen Blog so zahlreich verfolgt habt
  • DANKE an meinem Körper, dass du mich über 600 Kilometer an der Nordküste Spaniens entlang getragen hast
  • DANKE an meine Füße, dass ihr beinahe blasenlos geblieben seit
  • DANKE an mein Freund, dass du mich mal wieder bei meiner Wanderlust und Weltenbummlerei bestärkt und unterstützt hast
  • DANKE an meine Freunde und meine Familie, dass ihr mir in der ein oder anderen schwierigeren Situation Unterstützung mental beziehungsweise übers Telefon gegeben habt
  • DANKE liebes Universum, dass du mir dieses atemberaubende Wetter bzw. diese Naturverhältnisse geboten hast, mir all diese wunderbaren Menschen geschickt hast und mich durchgängig beschützt hast
  • DANKE an all die Pilger beziehungsweise Menschen, die ich auf dem Weg getroffen habe und mich ein Teil meines Weges begleitet haben
  • DANKE an die Liebaniegos, welche mich auf meinem Weg in die Picos del Europa begleitet haben und somit diese Reise zu etwas ganz besonderem gemacht haben
  • DANKE an all die Hospitaleros, die meine Aufenthalte in den Herbergen zu dem gemacht haben was sie waren
  • DANKE an all die zahlreichen Spanier die mir buen Camino gewünscht haben, mir freundlich zugerufen haben und sich gefreut haben, dass ich mich auf den Pilgerweg durch ihr Land gemacht habe
  • DANKE an meine beste Freundin, die den Camino del Norte bereits gelaufen ist und mir somit zahlreiche sehr sehr sehr gute Alternativen vorgeschlagen hat, Infos über Herbergen gegeben hat, permanent ganz eng mit mir im Kontakt stand und auch in sehr emotionalen Momenten zugehört hat und meine Erfahrungen mit mir geteilt hat
  • DANKE nochmal an EUCH für all die Kommentare, all das Feedback und all die lieben Nachrichten – auch wenn ich während der Reise nicht geantwortet haben, waren sie Balsam für meine Seele!

Ich hoffe, ich konnte dem ein oder anderen mit der Art und Weise wie ich diesen Weg aus einer teilweise sehr persönlichen Sichtweise schildere dazu bewegen vielleicht auch einmal ein paar Etappen des Caminos zu laufen oder sich einfach mal mit dieser Art des Reisens (der Reduzierung aufs Wesentliche) auseinanderzusetzen.

Das ist eigentlich alles, was ich erzielen wollte.

.. oder dem einem oder anderem vielleicht sogar verhelfen, sich in schwierigen Situation oder im Krankheitsfall dazu zu entscheiden eine Pilgerreise (Camino de Santiago) zu machen.. und etwas nur für sich zu tun, an sich zu denken, auf sich zu hören und am Ende ganz bestimmt etwas für sich gelernt zu haben und bestärkt zu sein um den Alltag anders zu bewältigen.

Ich wünsche euch BUEN CAMINO OF LIFE & niemals vergessen EINFACH L(i)EBEN.

Ps. ihr könnt meinen Blog auch gerne abonnieren, denn ich werde in Zukunft regelmäßig weitere Einträge verfassen.

Am besten ihr schreibt einfach einen Kommentar unter einen meiner Artikel und setzt den Harken bei:

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VIELEN LIEBEN DANK FÜR ALLES.

PPS. ES HAT MIR SUPERVIEL FREUDE GEMACHT ZU BLOGGEN, DAS WERDE ICH MIR BEIBEHALTEN.

ALLE WEGE FÜHREN NACH SANTIAGO

Heute heißt es: Santiago für einen Tag.

Gegen sieben stehe ich auf, schmeiße noch fix eine Maschine Wäsche an, gehe duschen, packe dann die Wäsche in den Trockner und frühstücke noch fix eine Kleinigkeit. Bis ich alle meine sieben Sachen gepackt habe ist es halb neun und ich mache mich auf den Weg in die Stadt.

Mit Sommerkleid und Flipflops mache ich mich auf den Weg die letzten sieben Kilometer zur Kathedrale zu laufen – zunächst finde ich den Camino nicht, ich laufe nach dem GPS meines Handys durch ein Industriegebiet von Santiago de Compostela. Laut Handy solle ich auf dem Standstreifen der Autobahn laufen.. Sorry.. aber.. NEIN DANKE.

Ein Schild mit der Aufschrift „Fußgänger verboten“ bestätigt mir mein Gefühl. Also drehe ich um und frage ich Anwohner, die gerade mit ihrem Hund spazieren gehen – das ist meistens ein Zeichen dafür, dass sie sich in der jeweiligen Stadt auskennen. Nach ein paar Missverständnissen finde ich nach einiger Zeit meinen geliebten gelben Pfeil wieder.

Er löst Sicherheit in mir aus und zeigt mir den richtigen Weg. Heute morgen ist es sehr nebelig ich kann nur einige Meter weit sehen – nachdem ich insgesamt eine Stunde unterwegs bin sehe ich zwei ältere spanische Herren an einer Bushaltestelle warten. Kurzerhand frage ich wann ein Bus in die Innenstadt fährt.. als ich erfahre, dass er in circa fünf Minuten kommen müsse, entscheide ich mich ihn zu nehmen um noch eine Stunde in der Altstadt verbringen zu können.

Am Placa de Galicia steige ich aus und entdecke als erstes einen Schuhladen – das passt sich besonders gut, da ich nämlich nicht vor hatte meine zwei Monate alten Laufschuhe welche mich mehr als sechshundert Kilometer quer durch Nordspanien getragen haben.. die mit den Löchern und einer unangenehmen Duftmarke.. wieder mit nach Hause zu nehmen.

Also werfe ich sie bei der nächsten Gelegenheit in den Müll.

Im Anschluss laufe ich zur Kathedrale, sie ist mal wieder sehr beeindruckend. Ich habe nicht das Bedürfnis hineinzugehen – zum einen habe ich das bereits mehrfach gemacht und zum anderen bin ich nicht in die Stadt eingelaufen und möchte es daher nicht.

Ich kaufe schnell noch ein paar Souvenirs bevor ich meinen Termin im Sagrado Curazon Tattoo Santiago wahrnehme.

Ihr habt richtig gehört – Tattoo – es war mir eine Herzensangelegenheit mich in Santiago de Compostela stechen zu lassen und ich habe fast nicht mehr daran geglaubt. Gestern habe ich telefonisch den Termin gebucht – ich hatte Glück, dass es so spontan noch gepasst hat. Mein Wunschmotiv habe ich ebenfalls zuvor per Mail geschickt um zu klären ob es überhaupt zeitlich möglich ist (da ich Nachmittags im Flieger sitzen muss). Alles hat gepasst und um elf Uhr stehe ich pünktlich vor der Tür. Nachdem alle Vorbereitungen getroffen sind, liege ich eine Stunde später unter der Nadel. Nach einer weiteren Stunde ist das Spektakel auch schon vorbei und dafür, dass es mein erstes Tattoo ist, habe ich mich ziemlich zusammengerissen.

Im Anschluss habe ich noch eine Stunde Zeit welche ich damit verbringe mich noch einmal zu stärken. Ich genieße mein letztes Pilgermenü dieser Reise und runde es mit einem Stück Santiago Cake ab.

Diese Spezialität habe ich bereits vor fünf Jahren lieben gelernt und kaufe einen für Deutschland.

Gegen zwei mache ich mich auf dem Weg zum Bus, fahre gemeinsam mit gefühlt eintausend deutschen Pilgern zum Flughafen. Fix eingecheckt, noch schnell einen Galizischen Gin gekauft und dann startet auch schon das Bording.

Adios Espana!

Es war mir eine Ehre!

Es war wie immer wieder schön bei dir!

WER HAT AN DER UHR GEDREHT?

So schnell kann das gehen, vierundzwanzig wahnsinnig schöne und aufregende Tage als Pilgerin gehen dem Ende zu. Heute bin ich noch einmal in einer Herberge erwacht, habe mir einen Wecker gegen sieben gestellt um den Zug gegen neun auf keinen Fall zu verpassen. Die Bahnhaltestelle soll zwei Kilometer außerhalb sein und ist leider nicht ausgeschildert. Somit mache ich mich nach einem kleinen Frühstück gegen acht auf den Weg in die Dorfbar und frage nach dem Weg.

Ich folge den Angaben des Barmannes und nach einigen Kilometern erblicke ich tatsächlich einen Bahnhof. Damit ihr euch ein kleines Bild darüber machen könnt inwiefern sich hier an Zeitangaben gehalten wird.. ein kleines Beispiel: Im Internet heißt es, dass der besagte Zug um 8:52 fahren soll, der Barmann sagt mir 9:00 und auf dem Plan am Bahnhof steht 09:11 – und wenn ich euch jetzt noch sage, dass er tatsächlich an keiner dieser drei Zeiten sondern um 09:35 losgefahren ist, dann könnt ihr in etwa nachempfinden wie die Uhr hier schlägt. Nämlich langsam. Jeder hat Zeit. Diese Mentalität entschleunigt sehr.. ist nur nervig, wenn man sich sicher sein möchte.

Ich überbrücke meine Wartezeit am Bahnhof mit einem kleinen Sonnengruß mit anschließender Meditation. Als irgendwann der Zug die Straßenbahn kommt und ein anderer Fahrgast den Arm raushält, damit die Bimmelbahn überhaupt anhält denke ich, dass hier die Welt teilweise stehen geblieben ist. Wenn man nicht gerade von A nach B muss, dann tut das äußerst gut!

Angekommen in Luarca laufe ich in die erstbeste Bar und mache eine ausgiebige Frühstückspause. Ich habe meinen Bus nach Santiago de Compostela noch nicht gebucht, da ich mir nicht ganz sicher war ob ich es überhaupt schaffe. Aus diesem Grund habe ich auch noch kein Hostel gebucht.. das war allerdings äußerst unclever – es ist Samstag und an den Wochenenden sind die Großstädte natürlich beliebt. Also muss ich ein Hostel außerhalb des Zentrums buchen.

Nachdem ich alle notwendigen Dinge geklärt habe, will ich die Stadt entdecken. Der Himmel ist bedeckt, aber zum Glück regnet es nicht. Ich lasse die Stadt auf mich wirken – schlendere umher, kaufe Souvenirs und esse etwas.

Ich bekomme die Zeit bis zur Abfahrt meines Busses ganz gut überbrückt – bin dann aber auch zufrieden, als es für mich heißt: Einsteigen bitte! Passend zur Busfahrt regnet es wie aus Eimern.. im Bus schaffe ich es tatsächlich einen Film zu gucken – der erste und wahrscheinlich einzigste der gesamten Reise. Ich unterhalte mich mit meinen Sitznachbarn darüber, dass ich es als schwierig empfunden habe eine Unterkunft gefunden zu haben – als mich die Pilgerinnen ganz verdutzt angucken und mir sagen sie hätten noch keine Unterkunft… ich biete ihnen an in meinem Hostel nachzufragen. Gesagt, getan. Die beiden Frauen haben Glück und erhalten die letzten freien Betten. Wir kommen pünktlich an, nehmen uns ein Taxi zum Hostel und fallen in unsere Betten.

25. San Martín de Lespra – Cudillero > Soto de Luiña

Heute sieht die Welt zum Glück wieder ganz anders aus. Ich habe sehr gut geschlafen und bin gespannt auf meinen letzten Lauftag auf dem Camino. Nach dem gestrigen Tag (absolut ein Tag zum abgewöhnen) kann dieser Tag ja nur besser sein!

Ich stehe gegen sieben auf, Frühstücke eine Kleinigkeit und laufe gegen kurz vor acht los. Der heutige Sonnenaufgang sieht für mich danach aus, als würde die Sonne bluten. Sie erstrahlt in einem wunderschönen Rot am Horizont. Ich liebe diesen Anblick, dafür stehe ich gerne früher auf. Sonnenauf- und untergänge haben für mich etwas von Magie. Jedesmal halte ich an, beobachte das Spektakel, mache ein paar Fotos (die die Realität mal wieder nicht abbilden) und freue mich, dass ich wieder einen neuen Tag vor mir habe.

Der Camino führt neben vielen Asphaltstraßen zum Glück auch ein wenig durch Eukalyptuswälder. Leider sind die letzten Lauftage landschaftlich nicht mehr so überragend wie zu Beginn des Caminos – der Camino Lebaniego hat einiges dazubeigetragen, dass ich diese Landschaft hier in Asturien als lediglich ganz nett empfinde.

Gegen elf Uhr komme ich in Soto del Barco an EIGENTLICH hatte ich vor von hier einen Bus nach Luarca zu nehmen aber EIGENTLICH ist es noch ein wenig früh und somit entscheide ich mich kurzerhand eine Küstenalternative mit zwei anderen Pilgern zu laufen und später nach Luarca zu fahren.

Die Küstenalternative war wirklich eine sehr gute Wahl und der Camino zeigt sich noch einmal von einer sehr schönen Seite für mich.

Ich genieße die letzten Blicke über den Atlantik, die Sonnenstrahlen, gute Gespräche, kalte Cola, Eis und den Pilgerlifestyle. Gegen fünf Uhr Nachmittags muss ich nach fünfundzwanzig Kilometern langsam wirklich endgültig Abschied nehmen. Ich entscheide mich EIGENTLICH den Zug in San Juan de Piñera zu nehmen. Leider finde ich die Bahnhaltestelle nicht. Das Zugnetz in Spanien ist ziemlich… sagen wir mal speziell. Ich frage Einheimische – diese verweisen mich auf eine Bushaltestelle im Ort Cudillero.. na klar, lauf ich halt zwei weitere Kilometer zur einzigsten Bushaltestelle weit und breit. Dort angekommen frage ich nochmals in einer Bar nach einer Möglichkeit nach Luarca zu kommen. Jetzt heißt es: es gibt gar keine Möglichkeit mehr für mich heute dort hinzufahren. Ich solle einen Bus zu einem anderen Dorf nehmen, indem ich dann am nächsten Morgen einen Zug nehmen könne… OKAAAAAAY. Planänderung also. Zum Glück bin ich schon fast vier Wochen in Spanien und es schockt mich fast nichts mehr. Der besagte Bus, der eigentlich um sechs Uhr kommen sollte, kommt dann tatsächlich gegen halb sieben an der Bushalte vorbei und nimmt mich mit nach Soto de Luiña.

Hier angekommen suche ich die Herberge auf, welche sich in einer alten Schule befindet. Als ich ein mir bekanntes Gesicht entdecke freue ich mich, ich mag es sehr Menschen wieder zu treffen welche ich im Verlauf meiner Reise getroffen habe.

Wir entscheiden und ein Pilgermenü im, wie sollte es anders sein, einzigen Restaurant des Dörfchens zu essen. Trinken zur Feier des Tages zwei drei vier Gläser Wein und unterhalten und angeregt mit ein paar anderen Pilgern. Zum Abschluss des Abends genießen wir noch ein kühles Blondes auf der Terrasse und lassen diesen, meinen letzten, Abend auf dem Camino del Norte ausklingen.

Welch ein wunderschöner, wenn auch gegen Ende noch ziemlich nervenaufreibender Tag auf dem Camino!

24. Gijon > Avilés – San Martín de Lespra

Diese Nacht war die reinste Katastrophe. Die ganze Zeit wälze ich mich zum Meeresrauschen mit Magenkrämpfen herum und weiß nicht was mit mir geschieht. Ich bin normalerweise unanfällig für Krankheiten – gerade mein Bauch hat mir noch nie Probleme bereitet. Natürlich male ich mir direkt wieder das schlimmste aus: Blinddarmentzündung > Krankenhaus > Op > WASAUCHIMMER – es ist unangenehm, ich habe keine passenden Medikamente UND ich kann so in keiner Weise weiter laufen. Somit beschließe ich ein wenig länger in Gijon zu sein, mir die Stadt ein wenig anzugucken, eine Apotheke aufzusuchen und mit dem Bus nach Avilés zu fahren.

Der Spaziergang durch die Stadt ist von Unwohlsein geprägt und trotz dem Sonnenaufgang über dem Hafen, kann ich diesen Morgen einfach nicht genießen. Ich suche die nächstmögliche Apotheke auf und kaufe mir zwei Wundermittel meiner Wahl (Pantoprazol und Buscopan) werfe diese in Kombination mit einem Schmerzmittel ein und hoffe, dass es schnell besser wird. Tatsächlich gehen meine Symptome zurück und ich entscheide mich gegen elf Uhr den Bus zu nehmen.

In Avilés angekommen begegnen mir Pilger , welche ich seit Wochen nicht mehr gesehen habe – es tut gut sich kurz auszutauschen. Ich gucke mir ein wenig die Stadt an und kaufe noch ein wenig Schonkost und Tee im Supermarkt ein.

Mittlerweile ist es wieder super heiß geworden und da ich mich heute einfach schlecht fühle will ich mich auf meinen Weg nach San Martín de Lespra machen. Ich laufe also knappe zehn Kilometer zu meiner heutigen Herberge. Kurz vor meiner Ankunft verlaufe ich mich in einer ziemlich unattraktiven Kleinstadt. Bei mir ist jetzt maßlos die gute Laune aufgebraucht, ich schmeiße mein GPS an und laufe nach den Angaben meines Handys.

Endlich angekommen entspanne ich ein paar Stunden mit einem Bauchwohl-Tee nach dem anderen. Irgendwann entscheiden sich ein paar Pilger etwas zum Essen zuzubereiten, ich schließe mich an und bin überrascht, dass ich nach fast 48 Stunden tatsächlich wieder ein wenig Appetit habe.

Im Anschluss an das Essen dehne ich mich noch ein wenig und genieße die letzten Minuten in der Abendsonne. Mit einem Kartenspiel beende ich den Abend für meine Verhältnisse sehr zeitig und freue mich auf mein heutiges Einzelzimmer um den Schlaf der vorherigen Nacht nachzuholen.

23. Priesca – Deva > Gijon

Gegen viertel vor sieben schleiche ich mich langsam aus unserem Zimmer. Ich habe sehr gut geschlafen, von den sechs Betten waren heute nur drei belegt und auch die Mosquitos haben mich in Ruhe gelassen. Das Frühstück ist bereits im Esszimmer vorbereitet – es geht wirklich nichts über einen heißen Kaffee am Morgen.

Gegen kurz vor acht schaffe ich es mich aufzubrechen und laufe langsam los – es ist noch ein wenig dunkel aber der Sonnenaufgang ist zu erahnen. Der Weg führt durch Wälder und nach einiger Zeit zeigt sich mir ein wunderschöner Sonnenaufgang.

Ich bin alleine unterwegs und höre Musik beim laufen, da der Camino heute teilweise an der Autobahn entlang läuft. Mein Tempo ist heute ziemlich schnell – ob es daran liegt, dass ich alleine unterwegs bin oder der Musik weiß ich nicht.

In Villaviciosa mache ich eine Pause, wie nahezu jeden Tag mit Tortilla, Kaffee und Cola. Ich reserviere telefonisch einen Termin bei der Maniküre in Gijon – irgendwie brauche ich so langsam mal wieder das Gefühl von Ästhetik. Somit muss ich um spätestens sieben Uhr in Gijon sein. Mein Ziel der Tages steht also fest.

Mittlerweile steht die Sonne hoch und ich erkenne leider keine Wolken am Himmel.

In San Juan kann ich man sich entscheiden ob man den Camino del Norte weiter folgen will oder den Camino Primitivo einschlagen möchte. Ich bleibe auf meinem Weg für die letzten Tage und male mir gedanklich aus, wie ich nächstes Jahr wieder kommen werde um dann zwei Wochen lang den Primitivo zu laufen.

Der Weg führt weiter über Waldwege, ich bin sehr dankbar darum, da diese Schatten spenden. Gegen Mittag ist es ziemlich heiß und durch die vielen Höhenmeter auf der Etappe auch unglaublich anstrengend.

So langsam habe ich das Gefühl vom Camino gesättigt zu sein, ich merke wie ich mir nur noch die Lorbeeren heraus suche und unschöne Etappen mit dem Bus überspringen möchte.

Als ich den höchsten Punkt der Etappe endlich erreicht habe, gönne ich mir Schokolade und Müsliriegel.

Leider habe ich heute Nachmittag einen ziemlich flauen Magen – woran es liegt, das weiß ich nicht.

Nach circa einer Stunde erreiche ich eine Bar, trinke dort eine weitere kühle Cola und mache mich im Anschluss weiter auf den Camino.

Es geht noch einen Berg hoch und hinunter.. gegen halb vier schaltet mein Kopf um auf Endspurt – mit meinem Ziel vor Augen aber total kaputt nach dreißig Kilometern schiebe ich mich weiter. Als mich am höchsten Punkt eine leichte Windbriese empfängt und ich Gijon vor meinen Augen erblicke, haben sich plötzlich die letzten Stunden bezahlt gemacht.

Die letzten Kilometer zum Campingplatz nach Deva ziehen sich in die Länge, als ich diesen endlich erreiche bin ich sehr erleichtert. Schnell kontrolliere ich die Abfahrtszeiten des Busses nach Gijon und stelle fest, dass in nur fünf Minuten der nächste Bus kommt.

Eine knappe halbe Stunde später komme ich im Hostel an und bin absolut positiv überrascht: ein liebevoll eingerichtetes Hostel mit Wohnzimmer, Küche, Esszimmer und vierer Schlafsäle mit eigenem Bad. Viele kleine Details zeigen mir, dass die Besitzerin all ihre Energie in diese Ruheoase gesteckt hat.

Nachdem ich mich fix geduscht habe, laufe ich durch die Stadt, schlendere durch die Läden gönne mir ein neues Kleid, eine Handyhülle und eine Cap und mache mich auf den Weg zur Maniküre.

Ich bin froh endlich ein paar Minuten sitzen zu können – meine Knie sind schwer und ich habe immer noch ein Unwohlsein im Magen. Auf dem Weg zurück ins Hostel kaufe ich ein wenig Obst – ich weiß, dass ich nach über dreißig Kilometer zu Fuß eigentlich etwas essen müsste, aber mir ist einfach nicht danach.

Im Hostel treffe ich ein paar andere Pilger und unterhalte mich nett mit ihnen, im Anschluss gehe ich noch zusammen mit einem Mädchen in eine Bar. Leider ist mein Bauch noch nicht wieder in Form und wir gehen nach einem guten Gespräch zurück ins Hostel. Ich hoffe morgen früh sieht die Welt wieder ein wenig anders aus.

Ich setze mich für einen letzten Moment am Tag in die Hängematte im Wintergarten – von hier aus habe ich einen guten Blick aufs Meer und höre dem Rauschen zu.

22. San Esteban de Leces – Priesca

Ich habe gut geschlafen, gegen sieben stehe ich auf und starte in den Tag. Ein kleines Frühstück aus Baguette mit Marmelade und Tee soll mich für den heutigen Tag stärken. Gegen acht Uhr laufe ich los, es wird gerade hell draußen.

Nach einer Stunde komme ich zu einem Strand, welcher mich einlädt den Sonnenaufgang hinter dem Berg zu genießen und ruhig in den Tag zu starten. Ich setze meinen Rucksack ab und spaziere ein wenig am Wasser entlang. Um positiv in den Tag zu starten mache ich ein paar Sonnengrüße und setzte mich einen Moment in den Sand und atme tief ein und aus.

Weiter führt der Camino durch kleine Wälder und über Feldwege. Entlang des Atlantiks verläuft ein alternativer Weg der GR (rot/weiß gekennzeichnet) – ich folge den Schildern und genieße nahezu alleine den Sonnenaufgang über dem Atlantik.

In einem kleinen Café am Stand genehmige ich mir ein Eis und laufe mittlerweile in der prallen Sonne. Heute ist keine Wolke am Himmel zu erkennen – das wird anstrengend. Wie blind folge ich zwei Pilgerinnen auf dem Camino, als sie plötzlich stehen bleiben und umdrehen wird mir bewusst, dass ich falsch bin. Als ich mein GPS anstelle sehe ich, dass ich grundsätzlich in die richtige Richtung gehe. Also: einfach weitergehen.. alle Wege führen nach Santiago, oder?

Als ich irgendwann über abgezäunte Felder und durch Maschendrahtzäune klettere bemerke ich wie doof meine Idee war dem Pfad zu folgen… ABER ich habe immer noch meine Ziel vor Augen und gehe einfach weiter. Die Wiesen sind noch voller Morgentau – daher haben meine Schuhe mal wieder Fußbadcharakter.. aber das ist jetzt ja auch egal.

Ich schreibe mir innerlich eine eine Notiz an mich selber: Laufe niemals mehr Menschen hinterher, wenn du dir selber nicht sicher bist, dass es der richtige Weg ist.

Als ich irgendwann dann endlich wieder auf feste Straße komme und nach einigen Metern sogar wieder zurück zum Camino bin ich ein wenig erleichtert. Langsam knurrt mein Magen und ich bin froh, in Colunga angekommen zu sein.

Hier mache ich eine ausgiebige Mittagspause – ich frage Einheimische nach einer Restaurant Empfehlung und folge dieser. Gefühlt ist das gesamte Dorf hier um Mittagspause zu machen. Ich bestelle mir das Menü des Tages und bin tatsächlich positiv von der Qualität ded Essens überrascht. Im Anschluss kaufe ich ein und hole Geld ab, bevor ich mich auf den Weg für die letzten Stunden in der Sonne wage.

Die pralle Mittagshitze meint es böse mit mir, da kein anderer Pilger auf die dumme Idee kommt um diese Uhrzeit noch unterwegs zu sein, kann ich lautstark zu meiner Musik mitsingen und Faxen machen.

Als ich irgendwann wie eine Erscheinung eine wunderschönen Herberge auf der linken Straßenseite entdecke gehe ich hinein und frage ob es noch Platz gibt. Diese Herberge ist so neu, dass sie in meinem Reiseführer nicht aufgeführt ist. Dieser Ort ist das Pilgerparadis auf Erden.

Sie ist die schönste Herberge in der ich je war, alles ganz liebevoll eingerichtet. Eine Küche Equipment und der Möglichkeit für einen fairen Preis Kochzutaten zu kaufen. Bäder auf dem allerneusten Stand (mit Regendusche – geht’s noch??? Hab mich direkt wie zuhause gefühlt!!!). Ein Garten mit Kräutern, Liegestühlen und reichlich Sitzmöglichkeiten. Ein Esszimmer mit Bücherregal, Fernsehen und Musikanlage. Einfach ein absoluter Traum nach diesem Wandertag!

Nachdem ich mich frisch geduscht habe, gehe ich in den Garten um zu entspannen, als mich ein Pilger fragt ob ich Hunger hätte… am liebsten hätte ich gefragt wo er Gedankenlesen gelernt hätte… im Verlauf des Abends erfahre ich, dass er Küchenchef ist – genau so hat das Essen auch geschmeckt. Ich gönne uns ein zwei Flaschen Cidre, der wird hier ganz viel produziert. Wir lassen den Abend mit angeregten Gesprächen ausklingen.

Am Abend fängt es noch an zu Gewittern, der Sonnenuntergang sieht wunderschön aus..

21. Barru – San Esteban de Leces

Gegen halb sieben gucke ih das erste Mal auf die Uhr, der Schlafkomfort der Isomatte ging gegen Null – deshalb drehe ich mich noch ein paar Mal um und versuche weiter zu schlafen. Um halb acht stehe ich letztlich tatsächlich auf. Kakao und Kekse müssen als Zelt-Frühstück reichen.

Um halb neun bin ich dann endlich wieder auf dem Weg – eine innerliche Stimme ärgert sich, dass ich so spät loslaufe weil ich Angst habe dass es wieder so sonnig wie gestern wird.

Ich habe schon einen kleinen Sonnenbrand von gestern, obwohl ich mich mit LSF50 geschützt habe, aber zunächst ist es wolkig und ich genieße das Wetter.

Der Weg führt durch Wälder und kleinen Dörfern. Die Wege sind wie leer gefegt, ich sehe keine anderen Pilger weit und breit.

Schnell erwische ich mich wie ich in ein Gedankenkarussel komme und meine restlichen Etappen im Kopf plane etc. anstatt die Dinge einfach auf mich zukommen zu lassen und zu sehen wie weit mich mein Weg trägt. Das Planungsgenie in mir ist also immer noch vorhanden.

Ich nutze diesen Lauftag um meine Gedanken und Eindrücke der letzten Tage zu sortieren, mache innerlich sauber, schreibe die letzten drei Blogbeiträge und höre Musik. Heute laufe ich alleine und es läuft sich tatsächlich wie von alleine. Durch Feldwege komme ich schließlich in einem Ort Namens Nueva an, hier mache ich eine kurze Pause mit Tortilla, Kaffee und Cola.

Ich laufe weiter und habe das Gefühl, dass es sich wie ein großer Spaziergang anfühlt – nach den letzten Tagen im Gebirge.

Oftmals führt der Camino über ungesicherte Bahnübergänge… die trauen sich vielleicht etwas die Spanier!

Mein Empfinden sagt mir, dass dieser Weg jedem genau das gibt was er braucht. Ich zum Beispiel habe das Glück, den ganzen Tag unter einem bewölkten Himmel zu pilgern.

Es gibt allerdings auch unglaublich schmerzhafte Botschaften und manche Menschen erkennen diese leider nicht (Krankheit / Überbelastung).

Ich denke die Botschaft ist ganz einfach: Geh DEINEN weg, hör auf DEINEN Körper und gib dich mit dem zufrieden was DU bekommst.

Seit fünf Jahren setze ich mich mittlerweile beruflich sowie auch persönlich mit dem Gesundheits- und krankheitsgefüge auseinander im physischen aber vor allem auch im psychischen Sinne und ich weiß auch, dass ich in diesem Berufsfeld mein Leben lang tätig sein möchte – immer wieder zeigt mir der Camino in was einem engen Bezug er mit diesen Thematiken steht. Das ist immer wieder schön zu erkennen.

In Ribadesella mache ich eine Pause, ich setzte mich in ein Restaurant und esse Muscheln. Als ich fertig bin frage ich nach einem Supermarkt – als die Barfrau mich aufklärt, dass heute Sonntag ist und ich nicht einkaufen könne, ärgere ich mich dass ich nicht etwas nachhaltigeres als Muscheln gegessen habe.. somit mache ich mich auf den Weg zu einer Bäckerei, kaufe ein paar Dinge fürs Abendessen und laufe weiter Richtung Strand um mich auf die letzten Kilometer zur Herberge zu machen.

Da ich noch Kraft habe, laufe ich eine Alternative entlang eines Leuchttumes und einem Bergdorf. Hier in den Dörfern stehen Autos mit offenen Fenstern und Türen, freilaufende Hühner.. hier muss die Welt noch in Ordnung sein.

Mittlerweile bin ich seit circa neun Stunden unterwegs, mit nur wenigen kleinen Pausen.. ich weiß nicht wieso – aber meine Beine haben mich einfach immer weiter und weiter getragen. Erst in der letzten halben Stunde habe ich wirklich das Bedürfnis nicht mehr weiter zu gehen und anzukommen.

In der Herberge erwartet mich eine kalte Dusche – Augen zu und durch. Des Weiteren habe ich eine Gourmet Käse Creme gelaukt, welche ich auf mein Baguette schmieren wollte.. ich kann ja viel ab, aber diese Creme schmeckt wie ganz ganz starker streich-Gorgonzola… den kann ich leider nicht essen und verschenke ihn an andere Pilger – dann gibt es für mich halt Chips zum Abendbrot, es gibt durchaus schlimmeres.

Ich nehme mir noch die Zeit um Yoga im Garten zu machen und schließe den Tag mit kühlem Bier und netten Gesprächen ab.

20. Pendueles – Barru

Mein Wecker weckt mich gegen sieben Uhr, ich bin heute Nacht komplett zerstochen worden. Auch am Frühstückstisch beschweren sich die anderen, dass sie unzählige Mückenstiche haben… naja – lieber Mückenstiche als Bettwanzen ist mein Motto, also ärgere ich mich nicht allzu lange darüber.

Nach dem Frühstück mache ich mich gegen acht Uhr das erste Mal wieder alleine auf den Weg. Der Morgen ist schön, hinter mir geht die Sonne auf und zeigt sich mit einer beeindruckenden Morgenröte.

Schon nach einer knappen halben Stunde laufe ich an einer einsamen und wunderschönen Bucht entlang. Hier muss ich mich einfach hinsetzten und eine kleine Pause machen.

Hier atme ich mit geschlossenen Augen langsam tief ein und aus. Bedanke mich wir so oft für alles was ich habe und freue mich auf den neuen Tag auf dem Camino.

Genau wie in meinem Alltag zuhause verfalle ich auch hier auf dem Weg nach einigen Tagen in eine Art Hamsterrad. Ich will immer alles mitnehmen und nichts verpassen – leider finde ich dann keine Zeit für mich und meine Rituale.

So komme ich auch heute wieder an den Punkt, dass mir die Worte einer sehr guten Freundin im Kopf hängen „Slowly Sophie, slowly Sophie“.

Mit diesem Mantra im Kopf gehe ich den restlichen Weg nach Llanes. Diese Zehn Kilometer laufe ich gemütlich, mit offenen Augen und mit guten Gesprächen.

Diese Etappe ist wirklich atemberaubend – der Atlantik zur rechten Seite, die Felsklippen, Aussichtspunkte, Höhlen und blauer Himmel.

In Llanes kaufe ich ein, da ich vorhabe weiter zu einem Campingplatz am Meer zu laufen.

Die letzten Kilometer sind mal wieder anstrengend, da die Sonne brennt und es leider keine Schattenplätze gibt. Ich mache vermehrt Pausen und an einem Ort gefällt es mir so gut, dass ich mich kurzerhand hinsetzte und ein paar Minuten meditiere. Das Meeresrauschen ist einfach die perfekte „Hintergrundmusik“ dafür. Mein Pilgerfreund nutzt die Gelegenheit um ein traumhaft schönes Drohnenvideo zu erstellen. Wenn die Sonne nicht so stark wäre könnte ich hier Stunden verbringen.

Ein paar Kilometer weiter kommt endlich der besagte Campingplatz. Zelt und Isomatte also heute… kann man ja mal machen.

Schnell wird der Bikini angezogen und die letzten Sonnenminuten schwimmen gegangen – oder besser gesagt versucht. Das Meer hat sich in den letzten Wochen aber stark abgekühlt, ich gehe lediglich bis zu den Knien ind Wasser.

Schnell wird sich mit Brot, Käse und Wein an den Strand gesetzt und zu Abend gegessen. LUCKYME.

Als die Flut zurück kommt verändert sich die Lokation vom Strand zur Wiese und ich gucke den Surfern zu wie sie die letzten Sonnenstrahlen des Tages nutzen.

Danke Universum, dieser Tag war mal wieder unbezahlbar!

19. Caín > La Fuente – Pendueles

Da das Taxi am anderen Ende der Schlucht um elf Uhr auf uns wartet heißt es um halb acht die Hufen schwingen.. schnell wird etwas gegessen und dann im Laufschritt geht es durch die Schlucht – nach kurzer Zeit bemerken wir, dass wir ziemlich gut in der Zeit sind und genehmigen uns ein paar kleine Pausen. Wir laufen wieder der Sonne entgegen – sie geht vor unseren Augen zwischen den Bergen auf.

Ich liebe dieses Naturspektakel!

Passend gegen elf kommen wir an, trinken noch etwas und fahren dann mit unserem Taxi nach La Franca.

BACK TO THE CAMINO DEL NORTE

Den Atlantik wieder zu sehen tut gut. Der Kontrast der Picos de Europa und das Meer ist für mein kleines Spatzenhirn fast zu viel. Die Eindrücke kann ich gar nicht wirklich greifen.

Wir machen eine Mittagspause in Buelna und verabschieden uns hier bei einem Mitglied der Reisegruppe Lebaniegos. Die letzten fünf Tage waren intensiv, anstrengend und witzig – aber jetzt, zurück auf dem Camino del Norte geht wieder jeder seinen Weg und das ist auch gut so.

Wir, die anderen, laufen noch einpaar Kilometer weiter bis Pendueles. Hier suchen wir uns eine Herberge, leider ist die Spendenherberge mit gemeinsamen Abendessen Freitags geschlossen, sodass wir in eine private Herberge gehen müssen.

Hier gibt es für jeden ein Bett, passt. Zum Abendessen gibt es Salat, Gemüseomlett und Reis – mir schmeckt es sehr gut. Im Anschluss daran gehe ich mit einer Gruppe Pilgern in die Bar, wir lassen den Abend gemütlich ausklingen.

Heute Nachmittag hatte ich richtig Heimweh. Mittlerweile bin ich drei Wochen unterwegs und merke wie ich allmählich mein Zuhause vermisse. Nachdem ich zwei drei Telefonate mit meinen Liebsten geführt habe, legt sich dieses Gefühl wieder und ich gucke bestärkt auf die nächste, meine letzte, Woche auf dem Camino del Norte.